Rituale wurde seit jeher von allen Kulturen entwickelt, um die Bewältigung und spirituelle Vertiefung bedeutsamer Entwicklungsschritte einzelner Menschen, oder sozialer Gruppen zu unterstützen. Sie entsprechen somit einem menschlichen Grundbedürfnis nach Halt, Schutz und Stütze was sich vor allem in Krisensituationen offenbart. Jeder tief greifende Wandel im Leben eines Menschen geht mit Krisen einher, verbunden mit Orientierungslosigkeit, Regression, Angst und Abweichung. Während so genannte „primitive“ Gesellschaften sich diese Übergangszeiten mit sinnstiftenden Ritualen markieren und sich dadurch erleichtern, fehlen derartige Zeremonien bei Kulturen, die unter der Herrschaft des rationalen Denkens stehen.
Ein Ritual als bewusste Inszenierung einer fest formulierten Handlung mit bestimmten Symbolen nimmt langwierige und schwierige Anpassungsprozesse, symbolisch-dramatisch dargestellt, vorweg und hilft so bei der Kontaktaufnahme zu Dimensionen der Wirklichkeit, die den meisten Menschen im täglichen Leben verschlossen sind. Dadurch können Prozesse angestoßen werden, die über das übliche bewusste Denken und Problemlösen hinausgehen.
Nach schamanischem Verständnis existiert der Mensch in zwei Welten;
der realistischen Alltagswelt und der anderen Welt der Götter und Geister. Große Mythen deuten auf die Präexistenz des Menschen in der spirituellen Welt hin, nach der Geburt in die natürliche Welt ist er durch Krankheiten, Unfälle und somit durch eine Rückholung bedroht und kehrt schließlich mit dem Tod wieder in die andere Welt zurück.
Ein Ritual entspricht dem natürlichen Bedürfnis des Menschen, höheren Wesen durch eine formelle Handlung eine Form von Respekt und Verehrung zu erweisen und über diesen ritualisierten, symbolischen Akt den Zugang zu diesem Wesen und zur eigenen inneren Welt zu bahnen.
Bei Naturvölkern wurde schon seit jeher intuitiv erkannt, dass Rituale dem Menschen ermöglichen, den Mächten des Daseins einerseits Respekt und Verehrung zu zollen und sie andererseits um Hilfe anzurufen. Aus heutiger wissenschaftlicher Sicht der Psychologie gilt als erwiesen, dass eine derartige Form von Ehrfurcht für die psychische Gesundheit des Menschen unbedingt notwendig ist. |